Interview mit Bettina Scheiflinger

Bettina Scheiflinger, * 1984 in Wil, hat nach ihrer Ausbildung an der PHSG sieben Jahre auf der Oberstufe unterrichtet. Ermutigt durch einen Förderpreis hat sie 2017 der festen Anstellung und dem Wohnsitzden Rücken gekehrt. Seit 2017 studiert sie an der Universität für Angewandte Kunst in Wien Literarisches Schreiben (Sprachkunst). Momentan weilt sie am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel im Austausch. Sie schreibt Prosa und Drama, arbeitet an einem Romanprojekt, ist Redaktionsmitglied der Literaturzeitschrift JENNY, unterrichtet kreatives Schreiben und springt unregelmässig auch für alle anderen Fächer als Stellvertretung ein.

1. Wann und warum bist du überhaupt zum Schreiben gekommen?

Vor einigen Jahren überkam mich das Gefühl, alles komme und gehe so schnell, die Zeit zerrinne mir zwischen den Fingern. Ich wollte festhalten, was passiert. Das Schreiben war meine Entschleunigung. Ausserdem gab es mir die Möglichkeit, Themen, Gedanken, Erlebnisse zu erforschen und zu ordnen. Ich mag Neues und Herausforderungen, darum suchte ich Austausch mit anderen Schreibenden und strebte danach, mein Schreiben zu professionalisieren. So bin ich zum Studium des literarischen Schreibens gekommen.

2. Du hast mit DER PERFEKTE PREIS dein erstes Stück geschrieben. Was war dabei die grösste Herausforderung?

Im wachsenden Text den Überblick zu bewahren! Die Handlung, die Figuren und ihre Entwicklungen musste ich stets präsent haben beim Schreiben. Es war mir ausserdem wichtig, dem Thema „Leistung“ gerecht zu werden, ohne zu belehren oder zu moralisieren.

3. Welche Bedeutung hat das Thema Leistung für dich (privat)? 

Heute wird ganz schön viel gemessen und verglichen. Wann ist eine Leistung genügend, gut oder grandios? Misst man an den Losern, den Überfliegern oder gar an sich selber? Leistung gilt als Gradmesser für innere Zufriedenheit, wohlgemerkt von aussen betrachtet. Ich finde das gefährlich. 

Meine persönliche Beziehung zu Leistung ist ambivalent. Ich stecke mir gerne hohe Ziele. Das Risiko vom Scheitern muss ich dabei in Kauf nehmen. Manchmal ist es meine grösste Leistung, nichts zu leisten und damit zufrieden zu sein.

4. Was wäre für dich ein perfekter Preis?

Ein Gerät, das mich auf Knopfdruck in den Flow versetzt: Schreibflow, Leseflow, Putzflow,…

5. Im Stück geht es um ein Spiel, auf das sich die Jugendlichen einlassen. Welche Spiele spielst du selber gerne? 

Als Kind spielte ich oft Black Jack mit meinem Vater. Als Einsatz hatten wir Goldstückli, 5-Räppler. Ich glaube, der Nervenkitzel um das Kartenglück und gleichzeitig Kontrolle über den Spielverlauf zu haben, gefielen mir daran. Das Pendeln zwischen Risiko und Sicherheit reizt mich noch heute. 

Mein Spieltrieb im Alltag ist schnell geweckt. Spielen ermöglicht zweckfreies, gefahrenloses Ausprobieren von Alternativszenarien, beim Schreiben und im Leben. Ich mag einen spielerischen Zugang zu Aufgaben: die Regeln neu aushandeln, mich ganz vertiefen, auch mal „bschisse“ (vielleicht merkt‘s ja keiner) und viel lachen, besonders über mich selbst. So entsteht durchaus Seriöses. Und vor allem: Zum Spielen brauche ich Komplizen*innen und Gegner*innen.