Interview mit Xenia Ritzmann

Das neue Stück stammt aus der Feder von Xenia Ritzmann, * 1994. Die ehemalige Spielerin des Jugendclubs momoll theater studiert heute in Basel Rechtswissenschaft. Ihr erstes Stück entwickelte sie im Austausch mit Regie, Musiker und Ensemble. Claudia Rüegsegger stellte ihr dazu ein paar Fragen.

Du hast selber zweimal beim jugendclub mitgespielt („Hopetown“ 2011, „Moby Dick“ 2013). Wie bist du damals zum jugendclub gekommen? Und welche Bedeutung hat diese Zeit für dich heute?

 Von klein auf fühle ich mich mit der Genossenschaft zum eichenen Fass verbunden. Da gehörte der alljährliche Theaterbesuch im Fasskeller mit der Familie auch mit dazu. Schon als Kind verspürte ich den Wunsch, selbst einmal auf dieser Bühne zu stehen. Für mich war das Schauspiel im Teenageralter perfekt, es brachte Selbstsicherheit in eine sehr verunsichernde Zeit.

Wie ist es denn zum Seitenwechsel – von der Bühne zur Autorin – gekommen?

Ich habe in meiner Zeit an der Kantonsschule angefangen kurze lyrische Texte zu verfassen. Dies war und ist für mich eine Möglichkeit Erlebtes zu verarbeiten, zu analysieren und um mich selbst kritisch zu reflektieren. Jürg hat mich einmal in einer ruhigen Probepause von „Moby Dick“ beim Schreiben eines solchen Textes erwischt. Seitdem schicke ich ihm immer mal wieder ein paar Texte von mir. Letzten Herbst hat er mich dann angefragt, ob ich ein Stück für ihn schreiben wolle.

HOME RUN spielt im 19. Jahrhundert in Australien, weit weg von hier und heute. Wie bist du auf den Stoff gekommen?

Ich wollte die Geschichte in einen historischen Rahmen einbetten, also habe ich einen Kinderatlas der Weltgeschichte genommen und ihn durchgeblättert. Die Strafkolonie Australien hat es mir sofort angetan, vermutlich nicht zuletzt, weil ich Rechtswissenschaften studiere. Wie das britische Empire mit der Problematik einer hohen Kriminalitätsrate umging, ist heute aus juristischer Sicht überaus interessant und auch ziemlich absurd.

Hast du beim Schreiben die Figuren frei erfunden? Oder hattest du dabei bereits die Spielerinnen im Kopf? 

Die Figuren sind frei erfunden und nicht auf die Spielerinnen geschnitten. Allerdings musste ich ziemlich bald wissen, wie viele SpielerInnen es nun sein werden, ob ein Junge dabei ist oder es ein reines Frauenensemble sein wird. Als ich die jungen Frauen dann auf einer Probe kennen lernen durfte, habe ich mir natürlich auch so meine Gedanken gemacht. Doch da standen 4 von 5 Figuren schon ziemlich klar fest.

Du bist zusätzlich auch noch als Regisseurin beim Szenario Schaffhausen engagiert – ehemalige Jugendclub-Mitwirkende realisieren eigene Theaterstücke, aktuell die zweite Produktion „Die Schatzinsel“. Bei soviel Theaterengagement: Stand eine berufliche Theater-Laufbahn für dich nie zur Debatte?

Durch den Kopf gegangen ist mir das schon ein- zweimal. Dagegen entschieden habe ich mich bei der Produktion Moby Dick. Ich hatte vor allem Angst davor, dass das „dürfen“ zu einem „müssen“ wird und so meine Freude an dieser Arbeit zerstört. Im Moment bin ich vollkommen zufrieden mit meiner aktuellen Situation. Ins Jus-Studium bin ich regelrecht verliebt, in den Semesterferien habe ich Zeit, um mich dem Theater zu widmen. Wie es nach dem Studium weitergeht, kann und will ich gar noch nicht entscheiden.

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