Interview mit Simone Messerli

Vor der Premiere „Die Banditenkönigin“, – das zweite Stück, das Simone Messerli für den jugendclub momoll theater schreibt – hat sich Claudia Rüegsegger mit der Autorin über den Prozess von der Idee zum Stück unterhalten.

(Claudia) Du hast bereits vor mehr als einem Jahr mit Regisseur Jürg Schneckenburgerund einigen Jugendlichen mögliche Themen für ein neues Stück diskutiert. War da bereits DIE BANDITENKÖNIGIN dabei? Wann und warum hast du dich für diesen Stoff entschieden?

 (Simone) Vor gut einem Jahr stand die Lust an dem Genre Western schon im Raum, war aber lange nur eine vage Idee. Es hat mich und auch die Jugendlichen gereizt etwas zu machen, was Abenteuer, Spannung, berührende Momente und eine fremde Welt beinhaltet. Der Wilde Westen ist dafür, neben anderen, ein ideales Setting. Die Geschichte der Banditenkönigin entwickelte sich dann nach und nach mit der Auseinandersetzung mit und der Recherche zu diesem Zeitalter.
Lange Zeit waren wir mit mehreren Stoffen unterwegs, verabschiedeten uns immer wieder von einzelnen Entwürfen, bis wir uns dann im Januar für den Stoff der Banditenkönigin entschieden. Es schien für uns die Stossrichtung, die am besten zu dem neuen, realtiv jungen Ensemble passt und zu dem Zeitpunkt auch die Idee war, die am ausgereiftesten war.

Was bedeutet ausgereift? Oder anders: Woran erkennst du, ob ein Stoff, ein Thema, eine Idee gut genug ist für ein abendfüllendes Stück?

Bei einem Stoff, den ich lustvoll und „geeignet“ finde, kommen ziemlich schnell erste Szenenbilder und Ideen auf. Ob es wirklich abendfüllende Geschichten sind, zeigt sich dann nach und nach. Erste Ideen werden schon nach einer groben Zusammenfassung des Inhalts und dem ersten Gespräch mit Jürg „beerdigt“. Bei Ideen, die dann immer noch im „Rennen sind“ mache ich dann ein erstes Arbeitspapier, in dem ich die einzelnen Szeneninhalte zusammenfasse und so das Stück schon grob plane. Spätestens da merkt man auch schon, ob die Stückidee funktioniert oder nicht.

Wie entstehen die Figuren? Hast du da bereits das Ensemble im Hinterkopf? Entwickelst du eine Figur nach der anderen – oder alle parallel?

Dieses Jahr stand das Ensemble erst spät fest. Daher entstanden die Figuren schon bevor klar war, wer überhaupt mitspielt. Im Frühjahr kam dann eine Figur nachträglich dazu. Es meldete sich nämlich dann eine Spielerin mehr, als zunächst gedacht.
In „Die Banditenkönigin“ sind die Figuren jeweils an eine Wildwest-Persönlichkeit, die existierte, angelehnt. Daher war bei der Entwicklung der Figuren auch viel Recherche dabei und ich konnte mich auch gut von realen Personen inspirieren lassen. Es hilft mir, wenn ich für jede Figur eine kurze Biografie schreibe. So habe ich eine klare Vorstellung davon, wie sie sind und warum sie wie agieren. Diese Lebensläufe entstehen parallel, beinflussen einander auch. Einige Figuren kennen sich ja auch schon länger.

Was hast du für dich selber während diesem Prozess von der Idee zum Stück entdeckt?

Das Stück dieses Jahr ist im Vergleich zu „Übersee“ vom letzten Jahr eher leichte und lockere Kost. Die Lust, auch solche Stücke zu schreiben, habe ich während dieser Arbeit entdeckt. Es sind wenige Erzählpassagen und mehr Action-Szenen entstanden. Ich bin gespannt wie gut sie am Schluss funktionieren.

Das sind wir auch! Vielen Dank und Toi-Toi-Toi für die Premiere am 29. Oktober und alle weiteren Vorstellungen.

Foto: Hans Schneckenburger